Happy Easter… Happy Soaping

Der Schoko-Osterhase vom Vorjahr und die waldgrüne Seife mit Steinbockfett – was haben diese beiden wohl gemeinsam?

Als diplomierte und gerichtlich beeidete Übersetzerin kommt es ja ab und an mal vor, dass ich mich einer ausgedehnten Recherchetätigkeit hingeben muss. Bei der Seifensiederei ist es nicht anders. Leider gibt es den Lehrberuf des Seifensieders nicht mehr, d.h. es fehlt mir einfach ein Lehrmeister, den ich befragen könnte, sobald ein mir unerklärliches Phänomen auftaucht. Da hilft dann nichts, als mich selbst ans Werk zu machen und der Sache auf den Grund zu gehen.

Wenn der frische Seifenleim zu früh mit dem Sauerstoff der Luft in Kontakt kommt, dann bildet sich auf der Oberfläche eine weiße Schicht, die sogenannte Sodaasche. Dieser weiße Belag ist nicht weiter schlimm, ein rein optisches Problem. Die Seife kann ganz problemlos verwendet werden. Hat man allerdings die Oberseite der Seifen hübsch verziert, mag die Sodaasche doof sein, weil das Muster davon überdeckt wird. Entfernen lässt sich die Sodaasche einfach durch a) abschaben oder abschneiden, b) abwaschen oder abdampfen. Verhindern kann man die Entstehung der Sodaasche nicht immer zu 100%. Ein zu hoher Anteil an Wasser im Rezept soll die Bildung fördern. Besprüht man die Oberfläche mit hochprozentigem Alkohol (Weingeist) und deckt die ganz frisch eingeflüllte Seife rasch mit einem Deckel oder Folie ab, dann hat man auch noch recht gute Chancen, dem Dilemma Sodaasche zu entkommen.

Vor einigen Jahren hat sich auf ein paar Seifen eine interessante Oberfläche gezeigt, die jedoch nicht wie Sodaasche wirkte und sich auch nicht genau so zeigte. Sodaasche ist für gewöhnlich nur oben, wo man die Seife in die Form einfüllt. Formt man die ausgehärtete Seife aus, bildet sie für gewöhnlich an den andern Seiten keine Sodaasche mehr aus und auch nicht in den nächsten Wochen oder Monaten.

Diese Seifen hier zeigten aber ein ganz anderes Verhalten.

Beim Ausformen war keinerlei Sodaasche zu erkennen. Auch nach wenigen Wochen im Seifenregal keinerlei weißer Belag. Sie wurden nach etwa 3-4 Wochen gewendet und der Reifeprozess war unauffällig. Nach mehreren Wochen zeigte sich plötzlich eine weiße Auflagerung auf allen Seiten der Seife. Im Gegensatz zur Sodaasche jedoch nicht flächig und ebenmäßig, sondern eher unregelmäßig gruppiert und teilweise richtig ausgeprägt.

Da Seife aufgrund ihres basischen pH-Werts nicht schimmelt, konnte es keine Form von Schimmel sein. „Was bist du???“ war die Frage aller Fragen. Verstärkung musst her, zur Not aus dem alten Kämmerlein.

Nun, fest stand, Schimmel war es nicht. Sodaasche auch nicht. Die typische Kristallform von Salzkristallen zeigte der Belag unter dem Mikroskop auch nicht. Die getestete Seife zeigte auch einen ganz normalen pH-Wert, also absolut in Ordnung und für die Verwendung zugelassen.

Spannend, höchst spannend!

Viele Chargen nach dem ersten Auftreten des Phänomens zeigte es sich dann noch einmal in einem ganz anderen Rezept, mit ganz anderem Duftöl und zu einer ganz anderen Zeit. Aber da hatte ich schon einen Verdacht, um was es sich handeln könnte. Nach vielen Stunden mit der Nase in alten Büchern, vorm Computer und im Gespräch mit befreundeten Chemikern hatte ich einen Ansatz, der recht plausibel klang.

Bei näherer Betrachtung der unklaren Oberfläche muss ich heute sagen, so unhübsch ist sie ja gar nicht, vor allem die, auf der grünen Seife. Bei der Recherche, vorwiegend in englischsprachigen Texten, bin ich dann auf den Ausdruck Fat Bloom, zu Deutsch Fett-Blüte (oder Fettreif), gestoßen. Ist doch hübsch, oder? Es handelt sich dabei um ein Ausblühen auf einer Oberfläche, sogenannte Effloreszenz. Effloreszenzen gibt es z.B. in der Dermatologie, wenn sich die Haut krankhaft verändert (Schuppen, Krusten, Flecken). Aber auch in ganz anderen Bereichen trifft man auf Ausblühungen, z.B. am Bau, wenn sich Pulver oder Kristalle an einer Bauoberfläche anlagern. Und eben auch bei der Seife und natürlich auch beim Schoko-Osterhasen. Schoko-Osterhasen und manche Seifen haben gemein, dass sie beide aus Kakaobutter gefertigt werden und dann trifft sie das selbe Schicksal – Fat Bloom.

Beim Seifensieden werden die zwei Grundzutaten Fett und Lauge miteinander vermengt und es entsteht der neue Stoff Seife. Die Fettmischung ist meist warm und somit flüssig. Lauge bezieht man in Kügelchen oder Flocken, die dann zur Laugenflüssigkeit angerührt werden. Die Standardflüssigkeit ist entmineralisiertes Wasser. Wasser ist nur ein Hilfsmittel, denn fest (feste Laugenkügelchen) und flüssig (flüssige Fettmischung) verbindet sich nicht gut. Im Zuge der Reifezeit der Seife muss das Wasser aus der Seife wieder raus. Die Seife wird allmählich härter und in den Wochen, in denen sie im Reiferegal liegt, schrumpft sie natürlich auch. Wenn sich nun die Wassermoleküle auf den Weg machen, aus dem Inneren der Seife an die Oberfläche, um dort dann zu verdampfen, kann es in manchen Fällen passieren, dass sich andere Stoffe noch anhängen. Wie ein kleiner Klotz am Bein. Das kann z.B. ein kleines Fettteilchen von der Kakaobutter sein. An der Oberfläche angelangt, verdampft das Wasser rückstandslos, das Fettteilchen allerdings nicht und bleibt als Auflagerung zurück. Theoretisch ganz gut nachvollziehbar, aber wie sieht es praktisch aus? Trial and error – war immer schon eine gute Idee!

Fettreif schmilzt!
Fettreif schmilzt!

Theorie verifiziert! Im Versuch, was der weiße Belag unter Hitzeeinwirkung macht, zeigte sich ganz eindeutig: er schmilzt! Folglich muss es sich um eine Fettanlagerung an der Oberfläche der Seife handeln. Im Gegensatz dazu verhält sich die Sodaasche an der Oberfläche von Seife unter Hitzeeinwirkung ganz anders. Sie schmilzt absolut nicht. Sprich, mit dieser ganz simplen Methode lässt sich schnell rausfinden, um welchen Belag es sich handelt.

Sodaasche schmilzt nicht!

Nun, weshalb hat sich der Fettreif überhaupt gebildet?
Auf dem Schoko-Osterhasen UND auf meiner Seife???

Es bedarf immer einer gewissen Temperaturschwankung. Frische Seife im Kaltverfahren hergestellt hat etwa 38-40 Grad. Durchläuft sie die Gelphase, erwärmt sie sich auf etwa 60 Grad und kühlt danach wieder ab.
Es muss immer etwas in Bewegung sein. Im Fall der Seife das Wasser, das ausdampft und die Fettkristalle zur Oberfläche mitnimmt.
Es braucht eine entsprechende Luftfeuchtigkeit. Schokoladenhersteller weisen in vielen Informationen darauf hin, wie man das „Anlaufen“ der Schokoladenerzeugnisse verhindern kann und dazu gehört eine Luftfeuchtigkeit unter 60%

Und nun die alles entscheidende Frage: Was hat die weiße Seife mit Fettreif mit der grünen Seife mit Fettreif gemein, obwohl sie ein völlig unterschiedliches Seifenrezept haben??

Das Rezept der weißen Seife enthielt neben anderen Ölen und Fetten eine verhältnismäßig hohe Menge an Kakaobutter. Jenes Fett eben, das beim Schoko-Hasen bereits zum Fettreif führt. Wir wissen also, dass Kakaobutter dieses Phänomen auslöst.
Das Rezept der grünen Seife enthielt aber gar keine Kakaobutter. Wie kam es also bei diesem Rezept zum selben weißen Belag?

Durch Steinbockfett!! Klingt komisch, ist aber so. Das eine ist pflanzlich, das andere tierisch. Eigentlich wenig gemein, außer man sieht genauer hin, nämlich auf die Fettsäurenzusammensetzung der beiden. Kakaobutter und Steinbockfett ähneln sich sehr im Bezug auf Stearinsäure, Palmitinsäure, Ölsäure und Linolsäure. Und durch diese Ähnlichkeit zeigten sie auch die selbe Ausblühung.

Die Fettsäuren sind aber nicht nur für Phänomene wie Fattreif bei der Seifenherstellung verantwortlich. Je nach Fettsäurenzusammensetzung entsteht auch eine andere Seife und zeigt sich ein anderes Verhalten des Seifenleims. Aber das, meine Lieben, ist eine andere Geschichte 🙂

G’sund und sauber bleiben!
Liebe Grüße aus der Seifensiederei,
Karina