Interview Rassegeflügelzucht Reiter

Liebe Karin,

vielen Dank und es freut mich sehr, dass sich unser beider Wege wieder getroffen haben und wir mit unseren Produkten gemeinsame Sache machen können. In der Tat kann man hier sagen, Gutes liegt so nah! In Zeiten von hohen Treibstoffpreisen und teuren Lieferungen ist es ratsam, sich im regionalen Umfeld umzuschauen und siehe da, da findet sich so einiges, was verseift werden kann 🙂

Damit sich die Seifenkunden ein Bild machen können, wo der Rohstoff herkommt und welche Menschen hinter den Lieferanten stecken, darf ich heute ein kleines Portrait von dir machen und dir ein paar Fragen zu deiner Person und dein Tun stellen.

1) Karin, deine Berufsausbildung war ja nicht mit Tieren verbunden, sondern mit Pflanzen. Wie bist du dann zum Geflügel gekommen?
Mich hat es immer schon sehr interessiert und wir hatten auch früher schon Enten und viele Hasen, aber zum Geflügel bin ich dann erst vor ca. 14 Jahren durch meinen Mann gekommen, den die Landwirtschaft auch sehr interessiert und es ist nur gemeinsam zu schaffen, da es ja auch mit sehr viel Arbeit verbunden ist.

2) Bei euch leben ja viele Tiere, aber Hühner scheinen deine Lieblinge zu sein. Weshalb?
Ich liebe Hühner, weil es so unterschiedliche Rassen gibt, die jede auf ihre Art einzigartig ist und sie schenken uns jeden Tag wertvolle Eier. Außerdem gibt es viele Rassen, die sehr zutraulich werden können und eher schon wie Haustiere sind und nicht wie Nutztiere.

3) Was ist dir bei deiner Arbeit mit den Tieren besonders wichtig? Was motiviert dich so?
Am wichtigsten ist mir, dass die Tiere viel Auslauf haben und so schön wie möglich leben können. Dann sind sie auch gesund. Mich motiviert es immer wieder, wenn ich sehe, dass meine Zucht so verläuft, wie ich es mir vorstelle.

4) Viele kennen die schrecklichen Bilder der Legefarmen. Was ist deine Meinung, wie dieses Tierleid gestoppt werden kann?
Ganz gestoppt kann es erst dann werden, wenn alle Menschen umdenken, was ja leider nur ein Traum bleiben wird. Aber wenn viele schon anders denken und beim Bauer nebenan ihre Eier erwerben, kann man schon vielen Tieren Leid ersparen.

5) Oft wird das Ei sehr kritisch betrachtet, gerade in Hinblick auf Cholesterin. Wie siehst du den Verzehr von Eiern?
Ich glaub, dass es einige Nahrungsmittel gibt, die den Cholesterinspiegel noch viel mehr steigen lassen, als Eier. Wie immer kommt es einfach auf die Menge an. „Alles mit Mass und Ziel“ wie man so schön sagt.

6) Du hast dich auf ganz besondere Rassen spezialisiert, welche Geflügelrassen findet man bei dir?
Meine Hauptrasse sind die Amrocks, dann hab ich noch Marans, Zwerg-Marans, Zwergseidenhühner, Zwerg-Cochin, die österreichischen Steinpiperl, und Zwerg-Grünleger, die ich selbst erzüchtet habe.
Außerdem hab ich noch Puten, Laufenten und natürlich meine Nandus (eine Laufvogelart). 

7) Viele haben sich durch diese besondere Zeit dazu entschlossen, mehr in Richtung Selbstversorgung zu machen und auch Hühner zu halten. Was sind deine 3 wichtigsten Tipps für Neuanfänger?
Der Stall soll nicht zu klein sein. Bitte keine kleinen, billigen Hühner-Ställe kaufen, denn die sind nicht sicher vor Räubern wie Fuchs und Marder und ein Paradies für Milben! Außerdem ist die Wahl der Hühnerrasse auch sehr wichtig z.B. wie viel Platz man hat usw.

8) Wenn du Geflügel verkaufst, Bruteier oder lebende Hühner, achtest du darauf, wohin du deine Tiere gibst?
Man kann natürlich nicht alles kontrollieren. Bei Bruteiern frag ich oft, ob das Brutgerät gut ist und wenn jemand von mir Hühner holt, berate ich natürlich auch und beantworte Fragen. Aber wie die Tiere danach gehalten werden, kann man leider nicht wissen. Zu mir kommen aber wirklich viele, die extrem tierlieb ist und wenn ich von jemandem schon weiß, dass die Tiere nicht gut gehalten werden, bekommt er von mir auch nichts.

9) Was ist deine schönste/ lustigste Erfahrung, die du bei deiner Arbeit mit den Hühnern gemacht hast?
Da gibt es fast jeden Tag eine lustige, spannende Situation, denn mit Tieren wird es nie fad, z.B. wenn eine verloren geglaubte Henne plötzlich nach 3 Wochen wieder mit einer Gruppe Küken auftaucht. 

10) Was möchtest du als Botschaft zum Thema Arbeit mit Tieren, natürlich leben, regionale Produkte den Lesern und Seifenfreunden mit auf den Weg geben?
Ich kann nur immer wieder betonen, wenn man direkt vom Bauer oder in einem Hofladen kauft, hat man schon einiges dazu beigetragen, dass es irgendwann in eine andere Richtung geht! Und wenn man die Möglichkeit hat, kann man sich ja auch selbst eine kleine Gruppe Hühner halten für die Eier, die man selbst braucht. 

Vielen Dank liebe Karin, dass du uns einen kleinen Einblick in deine Hühnerfarm gewährt hast und es ist eine wahre Freude, ein paar der wunderbaren Eier zu Feinseifen zu verarbeiten. Alles Gute und weiterhin gute Zusammenarbeit 🙂